Mirissa Madhya Maha Vidialaya, Sri Lanka

Tsunami Wiederaufbauhilfe: Neubau Mirissa Schulzentrum

Am 26. Dezember 2004 zerstörte ein Tsunami weite Teile der Küstenregionen Sri Lankas wie auch vieler anderer Länder Südostasiens. Nach fünf Jahren Wiederaufbau sind nun auch die meisten Infrastrukturprojekte nahezu abgeschlossen.

Von 2006 bis Juli 2009 hat das Hilfswerk Evangelischer Kirchen Schweiz (HEKS) im Süden Sri Lankas ein umfangreiches Schulbauprojekt im Rahmen der Schweizer Katastrophenhilfe durchgeführt.

Landesweit größtes Schulbauprojekt nach dem Tsunami...

Die Mirissa Methodist Primary School sowie das Central College mit einer Schülerzahl von zusammen fast 1000 Schülern waren durch den Tsunami vor fast fünf Jahren weitgehend zerstört worden.

Das hohe Spendenaufkommen nach dem Tsunami machten es möglich, einen kompletten Neubau außerhalb der Gefahrenzonen zu erstellen. Nachdem der Unterricht teils in temporären Klassenräumen fortgesetzt werden konnte, haben die Schüler und Schülerinnen im August 2009 ihre neue Schule bezogen und den Unterricht aufgenommen.

In Mirissa ist damit das landesweit größte Schulbauprojekt nach dem Tsunami entstanden mit einer Gesamtinvestition von ca. 4.5 Mio CHF und einer reinen Bauzeit von 26 Monaten. In 19 meist zweigeschossigen Gebäuden mit 36 Klassen- und 16 Fachklassenräumen, Kantine, Sportplatz und Aulapavillion können nun bis zu 1400 Schüler und Schülerinnen bis zum A/Level alle 12 Jahre ihrer Schulzeit an einem Ort verbringen.

Lage & Bauweise...

Auf dem von Reisfeldern umschlossenen, bewaldeten Hügel ist ein außergewöhnlicher Schulcampus entstanden, dessen architektonische Sprache die tropische Bautradition mit ihren kolonialen Einflüssen wiederspiegelt. Das Gelände war zunächst gänzlich unerschlossen. So mußte eine Zufahrtsstraße mußte als 4 m hoher Damm auf einer Länge von 70m durch das Reisfeld geführt werden. Weiter erschließen zwei insgesamt über 600 Meter lange interne Straßenzüge die 19 Gebäude mit ihren Schulhöfen und überwinden dabei fast 20 Höhenmeter. Durch Natursteinstützmauern wurden Bauterassen hergestellt, auf denen die Gebäude ruhen. Städtebaulich formen sie eine dorfartige, fast gewachsen wirkende Struktur mit einer Abfolge von kleinen und größeren Schulhöfen, Schulgartenterrassen, Treppen und Rampenanlagen.

Der typische einhüftige Gebäudegrundriss mit offenem Korridor wurde durch die geschwungenen Bogenträger aus Stahlbeton neu interpretiert. Angewandt wurde eine einfache Stahlbetonskelettbauweise im Stützenraster, Ringbalken und Ziegelausfachung, wie sie überall im Land zu finden ist. Die Lasten des Holzsparrendaches mit Ziegeleindeckung werden über die Bögen mit angeformten Kapitellen abtragen und über Stützen in Punktfundamente geleitet.

Die Besonderheiten des tropischen Klimas erfordern Maßnahmen zu Ventilation, Sonnenschutz, Schutz vor Schlagregen, die Ableitung der tropischen Regenfälle, sowie die Verhinderung der Korrosion durch den Salzgehalt der Luft. Dies sind die großen Themen des Bauens in den Tropen. Die exponierte Lage erforderte ein besonderes Augenmerk, um ein möglichst angenehmes Raumklima für konzentriertes Lernen, sowie robuste und ansprechende Außenräume für die Rekreation in den Pausen zu schaffen.

Das Farbkonzept setzt die einfach strukturierten Gebäude in Szene. Die konstruktiven Elemente sind in verschiedenen Grautönen von der cremeweißen Wandfarbe abgesetzt. Tropische Vielfalt finden sich in den 8 Farbtönen der Klassenräume wieder. So wird das intensive Licht in jedem Raum anders reflektiert und unterschiedliche Stimmungen erzeugt. Jeder Innenraumfarbe spiegelt sich in der Gestaltung der Eingangssituation wieder, so daß Schüler sich mit ihrem Raum und ihrer Farbe identifizen können.

Teil des Gesamtkonzeptes sind der umfangreiche Erosionsschutz, sowie die Wiederbepflanzung aller von Bautätigkeit betroffenen Flächen. Hierzu konnte eine lokale Umweltschutzorganisation gewonnen werden, die gezielt die Erhöhung der Artenvielfalt im Focus hatte.

Projektstruktur...

Alle Planungsleistungen wurden im eigenen Projektbüro Matara erbracht oder parallel mit eng eingebundenen Fachplanern erstellt. Das Planungs- und Bauleitungsbüro konnte nach der Fertigstellung der ersten Gebäude direkt auf der Baustelle angesiedelt werden, um zeitnahe baubegleitende Planung zu gewährleisten und direkt Einfluß auf die erreichte Bauqualität ausüben. Für die bauliche Umsetzung konnte ein erfahrenes Unternehmen für Straßenbau, Tief- und Hochbau verpflichtet werden.

Die Bauphase wurde in 3 Bauabschnitte unterteilt, wobei Phase 1 den kompletten Straßenbau sowie die Stützmauern umfaßte. Phase 2 und 3 beinhalteten Grund- und Sekundarstufe, sowie alle Außenanlagen den Sportplatz und das Auditorium.

Bauqualität & Nachhaltigkeit...

Bauen ohne industriell vorgefertigte Baumaterialien erfordert ein hohes Maß an handwerklichem Können. Mit oft ungelernten Handwerkern ist der Aufwand der Bauleitung um vieles größer.

Trotzdem ist es gelungen, den hohen Anspruch in den Oberflächen durchzusetzen. Zusätzlich beanpruchen die extreme Luftfeuchtigkeit und der Salzgehalt der Seeluft die Oberflächen permanent und benötigen ständige Pflege. Die Mittel aus dem Schulhaushalt allein reichen nicht aus, um dies zu garantieren.

Gute materialgerechte Detailplanung und eine hohe Qualität der Bauausführung sollen den Instandhaltungsaufwand möglichst gering halten und nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag leisten zur Nachhaltigkeit dieses Wiederaufbauprojektes.